Den Hund verstehen

Die Sprache des Hundes ist sein Ausdrucksverhalten

Susanne Voß, den Hund verstehen.Hunde erfüllen nicht immer die Bedürfnisse ihrer Besitzer, sie halten ihre Nase in den Wind, gehen dem Sinn und Zweck ihres Daseins nach, sind von Freude und Abenteuergeist erfüllt und identisch mit sich selbst und ihrem Hundsein.

Wir Menschen verfügen über einzigartige Gaben, die uns von der Tierwelt unterscheiden. Die Gabe der Vernunft ermöglicht uns, unseren Menschen-Standpunkt zu verlassen und uns auf den des Hundes einzustellen. Um zu verstehen was ein Hund mag, müssen wir uns in seine Haut versetzen. Eine gesunde Beziehung zum Hund gelingt nur mit der Bereitschaft, ihn als Hund wahrzunehmen und zu respektieren.

Beobachtung

Durch Beobachtung machen wir uns mit dem Hund vertraut und bekommen ein Verständnis dafür, wie sich ein Raubtier verhält, das der Hund nun einmal als Beutegreifer mit vier Reisszähnen ist. Durch Beobachtung seiner körpersprachlichen Signale und seines Ausdrucksverhaltens können wir herausfinden, welches Bedürfnis seinem Verhalten zugrunde liegt und warum sein Verhalten immer richtig für ihn ist. Darüber nachzudenken bietet uns als Mensch Möglichkeiten zu Einsichten. Mit neuen Herausforderungen werden wir die Beziehung mit dem Hund sinnvoller gestalten lernen. Die hauptsächliche Herausforderung an uns ist es, wie Hunde denken zu lernen und nicht von ihnen die gleichen Empfindungen zu erwarten, wie wir Menschen sie haben.

Wir tun gut daran, die Wege zu untersuchen auf denen sich soziale Ordnung in stabilen Hundegruppen aufbaut und erhalten wird. Die Friedlichkeit, die im Allgemeinen solche etablierten Hundegemeinschaften kennzeichnet, erinnert uns daran, dass es nur sehr selten Verletzungen der sozialen Ordnung gibt und das destruktive Aggression selten ist. Klare Signalgebung, unaufgefordert gezeigte Unterwerfung wird blitzschnell mit Körper, Augen, Ohren und Fang ausgesendet. Grober körperlicher Kontakt wird durch deutliche Signale vorher angekündigt und kommt viel öfter im Spiel als im Zusammenhang von Gewalt vor. Hunde, die die größte Flexibilität im Verhalten haben, die Toleranz und sogar Versöhnlichkeit zeigen, sind mit Sicherheit diejenigen, die am gründlichsten sozialisiert wurden. Das Resultat ist ihre soziale Kompetenz, mit der sie intelligent und souverän für Ruhe sorgen. Im Unterschied zu den zahlreichen Analphabeten unter den Hunden, die Beißen und Raufen gelernt haben, sozial nicht gefördert wurden, sondern behindert.

Susanne Voß, zertifizierte Hunde-Trainerin in Planegg

 

Spaß, Bewegung und Training

Hunde haben sich aus Wölfen entwickelt, haben hündische und keine menschliche Intelligenz. Was mögen Hunde und warum? Diese Fragen helfen uns, Hunde besser zu verstehen und vermeiden, dass wir Hunde nach unseren eigenen Maßstäben beurteilen.

Mehr als alles andere lieben Hunde es, Spaß zu haben. Spaß kann Futter als Belohnung leicht ausstechen. Spaß, Bewegung und Training sind die drei Grundbedürfnisse von Hunden. Der Geruchssinn ist die vorherrschende Sinneswahrnehmung des Hundes, er ist um das 10.000-fache, bis 100.000-fache stärker als der des Menschen. Schnüffeln ist das, was ein Hund die ganze Zeit über tut, zu schnüffeln bedeutet Hundsein. Hunde können den Geruch von Krankheiten wahrnehmen mit einer Trefferquote von 88% bei Brustkrebs und von 99% bei Lungenkrebs. Aber nicht alle Hunde sind gleich gut, wenn es um das Herausfiltern von Gerüchen geht. Aale und Schweine können besser riechen als Hunde.                         Jeder Hund ist anders, auch innerhalb einer Rasse sind Hunde verschieden.

 

Der Hund als fühlendes, instinktgesteuertes, soziales Wesen lebt in ständiger Beziehung zu seiner Umwelt. Sein Verhalten wird durch Reize ausgelöst auf die er instinktiv reagiert, zum Beispiel auf Gerüche. Er muss schnüffeln, markieren, soziale Kontakte pflegen, rennen und sich wälzen, um gedeihen zu können. Hunde sind genauso unterschiedlich wie sie aussehen.
Der Spürhund wedelt bei seiner Detektivarbeit mit dem Schwanz. Für den Border-Collie ist der schlimmste denkbare Fall, dass er den Befehl bekommt, mit dem Jagen der Schafe aufzuhören und genau das ist es, was Schäfer tun, um unerwünschte Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das Beissen der Schafe, zu bestrafen.

Das Aktivitätsbedürfnis von Hunden wird von uns unterschätzt. Ein Hund, der nicht im Dreck buddeln, mit anderen Hunden rennen oder seine Beine bewegen kann, ist ein frustrierter Hund. Wegen mangelnder Bewegung sind viele Hunde frustriert, leiden und entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Vielen Hunden wird alles andere als ein ideales Leben ermöglicht. Sie werden in Wohnungen eingesperrt, haben nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit und leiden unter der Isolation, die ein grosser Stress für sie ist.
Nur wenige strukturierte Spaziergänge, als Sklave des Menschen, ein Leben an der Leine, ohne das tun zu dürfen, was zu seinem (Tierschutz-)Recht als Hund gehört, ist kein Hundeleben.

Im Zusammenleben mit Menschen werden Hunde häufig mit ungeeigneten, nicht böse gemeinten Gesten konfrontiert. Wir Menschen senden ihnen mit unseren Verhaltensweisen - unwissend - wechselnde und widersprüchliche Botschaften. Vielleicht belohnen wir - unwissend - die kleinen Anfänge von Ressourcenbewachung und programmieren die Hunde damit auf erhöhte Aggression in der Zukunft. Vielleicht entgehen uns manche Signale der Unterwerfung und wir reagieren nicht entsprechend, ignorieren Zeichen mit denen die Hunde uns sagen, dass sie Distanz halten möchten und berühren sie stattdessen auf eine Art und Weise, die man nur als grob unhöflich bezeichnen kann. Die Bleib-Weg-Signale des Hundes sind sehr vielen Menschen nicht als solche bekannt. Oder wir starren Hunden in die Augen, beugen uns über sie, strecken die Hand nach ihnen aus, greifen nach ihnen und knuddeln sie am Hals – alles Verhaltensweisen, die Hunde untereinander tun, wenn sie sich gegenseitig bedrohen. Da ist es kein Wunder, dass wir manche Hunde geradezu dazu zwingen, sich und ihre Ressourcen zu verteidigen.

Immer wieder sagen Besitzer, dass sie ihrem Hund dieses oder jenes unerwünschte Verhalten nicht beigebracht hätten. Die Wahrheit aber ist, dass sie diese Verhaltensweisen, fast alle, unbewusst selbst trainiert haben. Hunde lernen so schnell, weil sie ständig beobachten und wahrnehmen, was geschieht, die ganze Zeit über. Daher gibt es auch zahlreiche Gelegenheiten gutes Verhalten zu belohnen.

Susanne Voß, zertifizierte Hunde-Trainerin in Planegg

 

Mit Qietschspielzeugen und Zerrspielen wird die Beisshemmung aufgehoben, die der durch Erziehung der Mutter als Welpe erworben hat. Der Hund lernt damit, dass er wo reinbeißen soll. Fehlinformierte Besitzer werden zahlreich in Vereinen, Hundeschulen und auf Dressurplätzen in dieser Weise angeleitet, mit ihrem Hund zu spielen. In Welpen-Spiel-Kursen werden verhängnisvolle Fehler mit Welpenraufereien gemacht, die das Beuteverhalten fördern und zu ungehemmter Angriffslust erziehen. Falsche Interpretationen des Hundes können fatale Folgen mit fehlendem Sozialverhalten haben und sind die Ursache für seine spätere Karriere als Privatkampfhund. Wenn wir uns aber auch der geistigen Bedürfnisse unserer Hunde bewusst werden, kennzeichnet uns das als gute Besitzer und exzellente Trainer unserer Hunde.

Eine Beziehung zum Hund, die auf Gegenseitigkeit beruht ist durch eine vertrauenswürdige, stabile Bindung gekennzeichnet, in der die Bedürfnisse von Mensch und Hund unterschiedlich sind und gleichwertig.
Ein hundekundiger Besitzer kann unterscheiden, kennt Mythen und Missverständnisse über Hunde und kann seinem Hund eine rosigere Zukunft bieten mit einer Erziehung zu einem zuverlässig sozialverträglichen Begleiter auf vier Pfoten.